Die Riester-Rente steht seit Jahren in der Kritik. Sie gilt als kompliziert, kostenintensiv oder wenig flexibel. Dennoch ist sie mit über 16 Millionen Verträgen eine der wichtigsten staatlich geförderten Formen der privaten Altersvorsorge in Deutschland. Wer über eine Kündigung nachdenkt, sollte daher sehr genau prüfen, welche finanziellen Folgen dieser Schritt hat und welche Alternativen bestehen. Denn eines ist klar: Eine Riester-Rente zu kündigen ist möglich, aber nicht in jedem Fall sinnvoll.

Die Riester-Rente in Kürze: Das Wichtigste auf einen Blick
Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge, die im Jahr 2002 eingeführt wurde. Ihr Ziel ist es, die sinkenden Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen und insbesondere Arbeitnehmer beim Aufbau zusätzlicher Altersvorsorge zu unterstützen.
Die Förderung erfolgt über staatliche Zulagen und – alternativ oder ergänzend – über steuerliche Vorteile. Wer förderberechtigt ist, erhält eine jährliche Grundzulage sowie gegebenenfalls zusätzliche Kinderzulagen. Voraussetzung für die volle Förderung ist, dass jährlich ein Mindestbeitrag in den Vertrag eingezahlt wird. Dieser beträgt in der Regel vier Prozent des sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, begrenzt durch einen gesetzlichen Höchstbetrag.
Ein zentrales Merkmal der Riester-Rente ist die sogenannte Beitragsgarantie. Zum Beginn der Auszahlungsphase muss mindestens die Summe der eingezahlten Eigenbeiträge und der erhaltenen Zulagen zur Verfügung stehen. Diese Garantie sorgt für Sicherheit, schränkt jedoch häufig die Renditechancen ein – hauptsächlich im Vergleich zu nicht garantierten Altersvorsorgeprodukten. Das angesparte Kapital ist während der Ansparphase in der Regel pfändungssicher und wird bei Bezug von Bürgergeld nicht als verwertbares Vermögen angerechnet. Die Auszahlung erfolgt frühestens mit Beginn der Altersrente. Dabei kann ein Teil des Kapitals einmalig entnommen werden, der verbleibende Betrag wird in eine lebenslange Rente umgewandelt.Die Riester-Rente ist vor allem für Arbeitnehmer, Familien mit Kindern und Personen mit geringerem bis mittlerem Einkommen konzipiert. Ob sie im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt jedoch stark von der persönlichen Lebens- und Einkommenssituation sowie von der konkreten Vertragsgestaltung ab. Wir prüfen Ihren individuellen Fall gerne mit Ihnen zusammen.
Grundsätzliches zur Kündigung einer Riester-Rente
Bei der Riester-Rente handelt es sich rechtlich um eine Form der Lebens- bzw. Rentenversicherung. Versicherungsunternehmen selbst dürfen solche Verträge nicht kündigen. Als Versicherungsnehmer können Sie den Vertrag hingegen jederzeit beenden.Allerdings gilt: Eine Kündigung sollte immer der letzte Schritt sein. Denn mit ihr verlieren Sie nicht nur den Vertrag, sondern auch die staatliche Förderung. Juristisch spricht man in diesem Zusammenhang von einer sogenannten schädlichen Verwendung. Das bedeutet, dass der ursprüngliche Förderzweck – die Altersvorsorge – nicht mehr erfüllt wird.
Welche Folgen hat die Kündigung eines Riester-Vertrags?
Die wichtigste Konsequenz ist die Rückzahlung aller staatlichen Zulagen und Steuervorteile. Diese Beträge werden vom angesparten Guthaben abgezogen, bevor eine Auszahlung erfolgt. Je nach Vertragsdauer kann das dazu führen, dass vom Rückkaufswert deutlich weniger übrig bleibt als erwartet.
Zusätzlich entfällt mit der Kündigung der besondere Pfändungs- und Sozialschutz der Riester-Rente. Während der Vertrag in der Ansparphase in der Regel vor dem Zugriff von Gläubigern und vor der Anrechnung auf Sozialleistungen geschützt ist, gilt dieser Schutz für ausgezahltes Kapital nicht mehr.Auch steuerlich ist Vorsicht geboten: Erträge aus dem Vertrag können nach der Kündigung steuerpflichtig sein, abhängig von Vertragsart und individueller Situation.
Bessere Alternativen zur Kündigung
In vielen Fällen gibt es sinnvollere Lösungen als eine vollständige Vertragskündigung. Zwei besonders relevante Optionen sind die Beitragsfreistellung und die Beitragsstundung.
Beitragsfreistellung: Vertrag behalten, Beiträge pausieren
Wird ein Riester-Vertrag beitragsfrei gestellt, zahlen Sie vorübergehend keine Beiträge mehr ein. Der Vertrag bleibt jedoch bestehen. Die bislang erhaltenen Zulagen und steuerlichen Vorteile gehen nicht verloren, und das vorhandene Guthaben wird weiterhin verzinst.
Eine Beitragsfreistellung ist in der Regel frühestens nach zwei bis drei Jahren Vertragslaufzeit möglich. Der große Vorteil besteht darin, dass der Vertrag jederzeit wieder aufgenommen werden kann. Der Nachteil liegt darin, dass sich die spätere Rentenleistung reduziert, da keine weiteren Beiträge und Zulagen hinzukommen.Dennoch ist die Beitragsfreistellung in vielen Fällen die deutlich bessere Alternative zur Kündigung, insbesondere bei vorübergehenden finanziellen Engpässen.
Beiträge stunden: Zahlungen aufschieben statt aussetzen
Eine Beitragsstundung bedeutet, dass die fälligen Beiträge für einen begrenzten Zeitraum – häufig bis zu sechs Monate – nicht gezahlt werden müssen. Die Beiträge werden aufgeschoben, der Vertrag läuft weiter.Wichtig zu wissen: Die staatliche Förderung ist an die tatsächlich geleisteten Jahresbeiträge gekoppelt. Führt die Stundung dazu, dass in einem Kalenderjahr keine Einzahlung erfolgt, entfällt für dieses Jahr auch die Förderung. Daher sollte eine Beitragsstundung sorgfältig geplant und zeitlich begrenzt eingesetzt werden.
Wann eine Kündigung dennoch in Betracht kommen kann
Es gibt Situationen, in denen eine Kündigung trotz aller Nachteile sinnvoll sein kann, etwa wenn der Vertrag dauerhaft nicht mehr zu den persönlichen Lebensumständen passt oder wenn sich die Fördervorteile im Vergleich zu den Kosten als gering erweisen. In solchen Fällen ist es entscheidend, die finanziellen Folgen realistisch zu berechnen und den Kündigungsprozess strukturiert anzugehen.

Riester-Rente kündigen: die wichtigsten Schritte
Vor einer Kündigung sollten Sie zunächst den Rückkaufswert ermitteln. Dieser gibt an, welcher Betrag Ihnen grundsätzlich zusteht. Besonders in den ersten Vertragsjahren ist der Rückkaufswert häufig niedrig, da Abschluss- und Verwaltungskosten anfangs stärker ins Gewicht fallen.
Im nächsten Schritt sollten Sie berechnen, wie viel vom Rückkaufswert tatsächlich verbleibt, nachdem Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt wurden. Erst dieser Betrag ist realistisch verfügbar.
Ist der Vertrag fondsgebunden, spielt auch der Zeitpunkt eine Rolle. Eine Kündigung in einer ungünstigen Marktphase kann zusätzliche Verluste verursachen. Schließlich ist der Versicherer zu kontaktieren. Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel bis zu drei Monate zum Quartalsende. Die Auszahlung erfolgt anschließend nach Abzug aller Förderbeträge.
FAQ: Häufige Fragen zur Riester-Rente und Kündigung
Bei der Beitragsfreistellung zahlen Sie keine Beiträge und erhalten keine Förderung. Bei der Stundung werden Beiträge nur aufgeschoben; je nach Dauer kann die Förderung erhalten bleiben oder entfallen.
Nein. Bereits erhaltene Zulagen und Steuervergünstigungen bleiben erhalten. Es kommen lediglich keine neuen Förderbeträge hinzu.
Ja. Eine Fortführung des Vertrags ist jederzeit möglich.
Ja. Bei einer Kündigung werden sämtliche staatlichen Zulagen und steuerlichen Vorteile vom Vertragsguthaben abgezogen.
Während der Ansparphase in der Regel ja. Nach einer Kündigung und Auszahlung entfällt dieser Schutz.
Das hängt vom Einzelfall ab. Ohne sorgfältige Berechnung und Beratung ist eine Kündigung jedoch meist nicht zu empfehlen.
Fazit: Kündigen nur nach gründlicher Prüfung
Die Kündigung einer Riester-Rente ist rechtlich möglich, wirtschaftlich aber häufig nachteilig. In vielen Fällen sind eine Beitragsfreistellung oder eine vorübergehende Stundung die bessere Lösung, um finanzielle Engpässe zu überbrücken, ohne die staatliche Förderung vollständig zu verlieren.
Wer dennoch über eine Kündigung nachdenkt, sollte dies nicht vorschnell tun, sondern alle Konsequenzen sorgfältig abwägen. Gerade bei langfristigen Vorsorgeverträgen können Fehlentscheidungen erhebliche Auswirkungen auf die finanzielle Situation im Alter haben.