Die Arbeit als freier Versicherungsmakler kann von au√üen manchmal unkonkret erscheinen und die Frage danach, wie eigentlich der Arbeitsalltag aussieht, wird oft gestellt. 

Daher wollen wir Ihnen an dieser Stelle einen kleinen Einblick in unseren Berufsalltag geben anhand eines Beispiels, wie sehr wir das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung leben und eine hohe Kundenzufriedenheit anstreben.

Im vorliegenden Fall sollte eine Ausschlussklausel im Rahmen der Berufsunf√§higkeitsversicherung √ľberpr√ľft werden. 

Eine Ausschlussklausel in einer Berufsunf√§higkeitsversicherung definiert bestimmte Umst√§nde oder Vorerkrankungen, die von der Deckung der Versicherung (dem Versicherungsschutz) ausgeschlossen sind. Wenn eine solche Klausel im Versicherungsvertrag vorhanden ist, bedeutet dies, dass die Versicherungsgesellschaft nicht f√ľr die Berufsunf√§higkeit aufkommt, wenn sie durch die im Ausschluss genannte Ursache verursacht wird.

Eine neue Anfrage geht ein

Damit Sie verstehen, wie wir vorgehen, wollen wir jeden Schritt im Folgenden nachvollziehbar darstellen. 

Am 25. August 2020 hat der Kunde ein Erstgespr√§ch bei uns gebucht, dies geht ganz einfach √ľber unser Kontaktformular, telefonisch oder per E-Mail. 

Nachdem wir uns beim Kennenlernen durch die Schilderungen des Kunden einen √úberblick √ľber sein Anliegen verschafft haben, ging es im n√§chsten Schritt an die Aufarbeitung der Krankenhistorie. Hierzu hat der Kunde eine ausf√ľhrliche Anleitung von uns erhalten, wie die einzelnen Schritte abzuarbeiten.

Leider litt der Kunde unter Beschwerden an seinem R√ľcken sowie der Wirbels√§ule, was bei BU-Versicherungen oftmals ein rotes Tuch ist. 

Damit der Kunde keine Nachteile aus der Gesundheitspr√ľfung zieht, haben wir uns entschieden, eine anonyme Risikovoranfrage bei verschiedenen Versicherern durchzuf√ľhren. Diese erm√∂glicht es Interessenten, ihr individuelles Risiko anonym bei Versicherungsgesellschaften abzufragen. Dabei werden grundlegende Informationen zu Beruf und Gesundheitszustand ohne pers√∂nliche Identifikation weitergegeben. Die Versicherer geben daraufhin vorl√§ufige Einsch√§tzungen zu Bedingungen und Pr√§mien. Dies erm√∂glicht es Versicherungsnehmern einerseits, Angebote zu vergleichen, bevor eine endg√ľltige Entscheidung getroffen wird und andererseits ‚Äď am wichtigsten ‚Äď nicht im sogenannten Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer zu landen. Diese enth√§lt Informationen zu BU-Interessenten, welche von den Versicherungen untereinander ausgetauscht werden. Wurde ein Kandidat bei vielen BU‚Äôs abgelehnt, ist dies auch dem System bekannt und gilt als Warnsignal unter den Versicherern. Daher sollte auch insbesondere bei Vorliegen von Vorerkrankungen oder risikobehafteten Berufen eine anonyme Risikovoranfrage durchgef√ľhrt werden. 

Es ist enorm wichtig, die Gesundheitsfragen des BU-Versicherers ausf√ľhrlich, wahrheitsgem√§√ü und vollst√§ndig zu beantworten. Geschieht dies nicht, kann hierin eine Verletzung der vorvertraglichen Auskunftspflicht liegen. 

Randnotiz:
Der Prozess um das Ausf√ľllen der Gesundheitsfragen war zeitintensiv und hat insgesamt √ľber ein Jahr gedauert, weil der Kunde nicht alle Ausk√ľnfte sofort erhalten hat und auch noch abwarten wollte, bis andere Vorerkrankungen verj√§hrt sind.

Leider f√ľhrte jede Anfrage zu einem Leistungsausschluss bei allen Versicherern ‚Äď kein sch√∂nes, aber leider ein erwartbares Ergebnis. 

Ausschluss, rechtliche Pr√ľfung und Wiedervorlage

Allerdings besteht die M√∂glichkeit, einen Ausschluss rechtlich gem√§√ü ¬ß¬†41 VVG √ľberpr√ľfen zu lassen, wor√ľber wir den Kunden unterrichtet haben. Voraussetzung der √úberpr√ľfung ist, dass der Betroffene √ľber einen gewissen Zeitraum behandlungs- und beschwerdefrei ist.¬†

Wir notierten also eine Wiedervorlage, um die Leistungsausschl√ľsse der BU-Versicherer erneut zu √ľberpr√ľfen. 

Der Kunde hatte sich f√ľr eine 2-Vertragsl√∂sung entschieden und bei Abschluss zum einen die Alte Leipziger gew√§hlt (siehe oben) sowie die Gothaer, die aber auch die Wirbels√§ule ausgeschlossen haben:

In der Zwischenzeit sind die nach dem Votum aus 2021 erforderlichen zwei Jahre vergangen und wir beantragten eine erneute √úberpr√ľfung des Leistungsausschlusses f√ľr unseren Kunden. Hier das Schreiben an die Alte Leipziger als Beispiel:

Die Alte Leipziger Versicherung antwortete daraufhin mit der Bitte, dass der Kunde neben den aktuellen Befunden einen Fragebogen speziell f√ľr die Wirbels√§ule beantworten und einreichen soll.

Unser Kunde suchte daraufhin alle n√∂tigen Unterlagen zusammen und reichte sie ein. 

Das Ergebnis der zweiten Pr√ľfung

Die Alte Leipziger pr√ľfte diese und kam Mitte Februar dieses Jahres zu einem f√ľr unseren Kunden positiven Ergebnis: Der Leistungsausschluss ist aus dem Versicherungsvertrag weggefallen.

Dies wurde auch noch einmal durch einen Nachtrag schriftlich festgehalten. 

Bei der Gothaer haben wir ebenfalls einen Fragebogen eingereicht und etwas sp√§ter gegen Mitte M√§rz 2024 das positive Ergebnis f√ľr unseren Kunden erhalten:

Das Ergebnis: Es wurden zwei Berufsunf√§higkeitsversicherungen mit Beginn zum 01. Dezember 2021 abgeschlossen und dadurch eine zwei Vertragsl√∂sung gew√§hlt. Dabei teilt man die Absicherung auf zwei Versicherungsgesellschaften auf und verfestigt dadurch den  Versicherungsschutz, weil der Kunde sp√§ter bessere Ausbaum√∂glichkeiten der versicherten BU-Rente hat. Am Ende hatte der Kunde f√ľr etwas mehr als 2 Jahre einen Leistungsausschluss bei beiden Versicherern und konnten diesen im Jahr 2024 wieder wet machen.

Was Sie anhand des geschilderten Falls mitnehmen können

Die √úberpr√ľfung eines Leistungsausschlusses ist automatisch Teil des Vertragswerks und muss daher nicht noch einmal gegen einen Aufpreis erg√§nzt werden. Dies gilt jedoch nicht bei Vorliegen von so schweren Vorerkrankungen, die dazu f√ľhren, dass der Leistungsausschluss oder Beitragszuschlag grunds√§tzlich nicht wieder √ľberpr√ľft werden kann. Auch der ¬ß 41 VGG hilft dann nicht weiter und eine √úberpr√ľfung ist schlichtweg nicht m√∂glich, wie Sie an diesem Beispiel sehen:

Auch f√ľr Versicherungsgesellschaften ist es von Vorteil, den Versicherten m√∂glichst langfristig zu binden und die Kundenzufriedenheit zu gew√§hrleisten. Best√ľnde die M√∂glichkeit einer √úberpr√ľfung nicht und w√§re die gesundheitliche Lage des Versicherten langfristig stabil, so w√§re der Wunsch nach dem Wechsel der Versicherung sehr nachvollziehbar ‚Äď ein neuer Antrag k√∂nnte hier deutlich mehr Sinn ergeben. Dabei gelten die g√§ngigen Hinweise: Um die vorvertragliche Anzeigepflicht durch unwahrheitsgem√§√üe oder unvollst√§ndige Angaben nicht zu verletzen, muss die Gesundheitspr√ľfung samt ihrer Fragen ernst genommen und sich hierf√ľr ausreichend Zeit gelassen werden. Und vor der K√ľndigung einer bestehenden BU-Versicherung muss nat√ľrlich daf√ľr gesorgt werden, dass der Kunde auch zu guten Konditionen bei anderen Versicherungsgesellschaften unterkommt. Um hier sicherzugehen, helfen wir mit der bereits erw√§hnten anonymen Risikovoranfrage. Bestehen attraktive Alternativen, kann guten Gewissens der alte BU-Versicherer gek√ľndigt werden. 

Dies war einer der vielen Sachverhalten, denen wir in unserer Arbeit t√§glich begegnen. Uns ist dabei immer bewusst, dass wir es nicht mit einem Haufen Papierkram, sondern mit einem Menschen und seinem Schicksal zu tun haben. Daher nehmen wir uns f√ľr jeden unserer Kunden viel Zeit, ihn und seine Anliegen kennenzulernen. Uns ist wichtig, dass Sie in allen Belangen bei uns gut aufgehoben sind! Vereinbaren Sie gerne einen unverbindlichen Kennenlerntermin mit uns ‚Äď wir freuen uns auf Sie!