Riester Banksparplan – wirklich ohne Kosten? Ein Test und eine Analyse dazu

Lesezeit: 6 Minuten

Tücken bei Riester Banksparplan – am Ende kassiert doch die Versicherung

Immer wieder wird davon berichtet, dass ein Riester Bankssparplan die einfachste und günstigste Variante der Riester-Rente sind. Angeblich ist bei Riester Banksparplan die Rendite genauso hoch wie bei einem klassischen Riester-Tarif. Aber die Tücken bzw. Fehler im Detail offenbaren sich erst in der Auszahlungsphase, wo sich die Versicherer ein Stück vom Guthaben wegnehmen. Viele Sparer betrachten dabei nur die Sparphase aber vergessen total die Rentenphase, welche aber genauso wichtig ist.

Es gibt aber auch positive Dinge zu berichten: Diese Form der Riester-Rente ist einfach und transparent, welche geringe Kosten in der Ansparphase hat und zum teil auch gute Renditen erwirtschaftet, welche aber abhängig vom Ergebnis der Bank sind. Allerdings wird diese Form der Riester-Rente nicht bei Versicherungskonzernen oder Fondsgesellschaften angeboten, wie der Name schon verrät, sondern nur von ein paar Banken.

Ist ein Riester Banksparplan wirklich ohne Kosten?

Die Verbraucherzentrale in Hamburg behauptet: „Wer einen ganz normalen Riester-Sparplan bei der Bank oder Sparkasse abschließt, kann sich Jahr um Jahr über stetigen Zuwachs seines Kontos freuen. Die Kosten sind fast null. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat das mal klar gestellt: Verträge ohne Kosten gibt es nicht – niemand arbeitet umsonst, Sie etwa? Kosten werden auch dann veranschlagt, wenn Riester-Banksparplan drüber steht.

Die Aussagen der Verbraucherzentrale Hamburg sind somit falsch. Auch ein Riester Banksparplan bei einer Sparkasse oder einer anderen Bank verursacht Kosten (Verwaltung, Anträge, Verkaufsunterlagen, Zulagenbeantragung), die zusammen mit der Gewinnmarge der Bank, in dem Zinsabschlag gegenüber dem langfristigen Kapitalmarktzins, versteckt sind. Schon ein Abschlag von 1% entspricht nach einer Laufzeit von 32 Jahren einem Kostenanteil an den Beiträgen von etwa 16%, bei vielfach üblichen Zinsmargen von 1,5% sind es sogar rund 24% (Angenommen worden ist ein Vertragsabschlussalter von 35 Jahren und ein Rentenbeginn zum 67. Lebensjahr).

Die Verbraucherzentrale Hamburg beachtet darüber hinaus auch nicht den eigentlichen Vorteil von Versicherungen, weil das dicke und schlimme Ende erst zum Rentenbeginn kommt bei einem Riester Banksparplan. Mehr dazu lesen Sie weiter unten im Artikel.

Test und Analyse von Riester Banksparplan
Test Riester Banksparplan

Die Zeitschrift Öko-Test hat im Jahr 2011 über 40 unterschiedliche Riester Banksparplan ausgewertet. 20 davon stehen den Kunden in ganz Deutschland zur Verfügung, der Rest der angebotenen Tarife ist leider regional begrenzt. Das Ergebnis aus diesem Vergleich kann sich durchaus sehen lassen, wenn man nur die Ansparphase betrachtet und die Rentenphase unberücksichtigt lässt. Da es bei dieser Form der Riester-Rente keine oder geringe Abschlusskosten gibt und die Kontoführungsgebühren überschaubar sind, liegen die Renditen oft über den anderen Renten-Policen.

Das dicke und schlimme Ende kommt zum Rentenbeginn bei einem Riester Banksparplan

Nun mal zum Nachteil von einem Riester Banksparplan, worüber kaum jemand berichtet: Von der guten Rendite hat man im Alter unter Umständen sehr wenig. Wie viel genau rauskommt, steht leider erst zum Rentenbeginn fest, wenn die Konditionen für die Auszahlung vereinbart werden.

Das grosse Problem dabei: Weil die Rente lebenslang gezahlt werden soll, weiß die Bank nicht, wie lange das Geld reichen muss. Die Bank muss daher eine Versicherung abschließen, welche die Rentenzahlung ab dem 85. Lebensjahr übernimmt. Ohne diese Versicherung dürfen die Banken gar keine Riester-Produkte auf den Markt bringen! Doch wie viel die spätere Police für die Verrenten kosten darf, das hat der Gesetzgeber nicht festgelegt. Ursprünglich hatten die Erschaffer der Riester-Rente an eine Begrenzung auf 10 bis 15 Prozent des Sparkapitals gedacht, so ist es zumindest in den damaligen Gesetzesentwürfen zu lesen. Am Ende wurden dann aber gar keine Limits gesetzt.

Die Versicherer haben frei Bahn und nehmen sich im Schnitt 30 Prozent des Sparkapitals, wie die Zeitschrift „Öko-Test“ im Jahr 2011 ausgerechnet hat. Dabei muss man aber auch beachten, dass diese Versicherung nicht zu den heutige gültigen Sterbetafeln kalkuliert wird sondern zu den Sterbetafeln, welche dann zum Rentenbeginn gültig sind z.B. in 30 Jahren.

Wie sich das bei der Renten auswirken kann, dass können Sie nachlesen in meinem Beitrag über den Rentenfaktor, welcher dieses Risiko beschreibt: Blogbeitrag Rentengarantiezeit

Eine Erklärung zum Rentenfaktor und Bedeutung er für Ihren Rentenvertrg hat, erfahren Sie hier: Definition Rentenfaktor

Hier können Sie eine Anfrage per E-Mail an mich nachlesen, worin es genau um diese Thema geht: Das böse Erwachen kommt zu Rentenbeginn

Tücken Nachteile Riester Banksparlan Verrentung

Auch die Plattform „DasInvestment“ schreibt im März 2016: „Neue Gebühren in der Rentenphase bei Riester Banksparplänen„. Nachlesen können Sie das hier:

Hier finden Sie ein Beispiel über hohe Kosten eines Anbieters im Vergleich zum günstigen Anbieter:

Leben die Riester-Sparer länger?

Begründet wird dies mit der hohen und ständig steigenden Lebenserwartung: Die Versicherungskonzerne kalkulieren anhand der sogenannten Sterbetafeln, dass Riester-Rentner durchschnittlich 95 bis 99 Jahre alt werden. Das Statistische Bundesamt geht von fast zehn Jahren weniger aus. Zwar müssen die Versicherer einen Teil des großzügigen Puffers wieder auszahlen, wenn das Langlebigkeits-Risiko nicht eintritt, die meisten Versicherten also früher sterben. 25 Prozent des nicht benötigten Kapitals dürfen die Gesellschaften aber behalten – bei momentan 711.000 Riester-Banksparplänen, die irgendwann ausgezahlt werden müssen, winkt ein rentables Geschäft.

Leider nicht für alle Riester-Sparer von einem Banksparplan, wie das Beispiel von Öko-Test zeigt: Von den rund 70.740 €, die der Musterkunde aus der Zeitschrift Öko-Test bei der Stadtsparkasse Mönchengladbach bis zur Rente angespart hat, gehen 19.130 € an die Versicherung. „Würden die Versicherer ihre Policen nicht mit üppigen Sicherheitspuffern kalkulieren, wären sie schon für knapp die Hälfte zu haben“, so das Fazit der Tester von Öko-Test. Für den Musterkunden würde das immerhin fast 20 Prozent mehr Rente bedeuten.

Fazit: Kostengünstig und einigermaßen transparent sind Riester-Banksparpläne nur während der Ansparphase. Weil die Bedingungen für die Auszahlung erst zum Rentenbeginn festgeklopft werden, wissen der Sparer trotzdem nicht, was sie im Alter an Rente erwartet. Gewiss ist nur eines: Eine kräftige Subvention für die Versicherer. Umgehen kann man das Risiko mit einem klassischen Riester-Vertrag, wo man sich schon heute bei einem guten Tarif die aktuell gültige Sterbetafel sichern kann für das eingezahlte Kapital und die Überschüsse. Wählen Sie sorgfältig Ihren Anbieter aus, denn da gibt es grosse Unterschiede bei den Kosten und bei der garantierten Rente. Wenden Sie sich an einen Fachmann, der Ihnen Angebote verschiedener Gesellschaften erstellt und auch Rahmenverträgeanbietet, wo Sie von höheren Ablaufleistungen profitieren und einer geringeren Kostenbelastung in der Ansparphase. So ist das Produkt wesentlich konkurrenzfähiger zu einem Riester-Banksparplan.

Gericht erlaubt Negativzinsen beim Riester Banksparplan

Im Juni 2018 wurde darüber entschieden, dass negative Zinsen bei einem Riester Banksparplan per se nicht unzulässig sind ((Az.: 4 O 220/17). Nachlesen können Sie das in diesem Beitrag von der Berliner Morgenpost:

Rückfragen / Angebotserstellung

Wenn Sie dazu weitere Fragen haben zum Riester Banksparplan ohne Versicherung oder ein Angebot zur Riester Rente wünschen, senden Sie mir bitte eine E-Mail zu (info@marco-mahling.de) oder nutzen mein Kontaktformular.

Über Marco Mahling

Marco Mahling ist als unabhängiger Finanzberater und Versicherungsmakler tätig im Raum München und Ingolstadt, online berät er seine Kunden aber aus ganz Deutschland. Er ist gelernter Bankkaufmann, zertifizierter Fondsspezialist (TÜV-Süd), Experte für private Vorsorge (DMA), qualifizierter Berater zur Riester-Rente sowie Fachmann für Vorsorgemanagement und berät seine Kunden in den Bereichen Ruhestandsplanung, private Krankenversicherung und Immobilien.

Auf Bewertungsplattformen im Internet lässt er sich von seinen Kunden bewerten und hat auf dem Portal von WhoFinance mehr als 500 Referenzen. Über seinen Blog hält er seine Interessenten auf dem Laufenden und informiert seine Kunden regelmäßig per Newsletter.

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